Mexico: Gehr’s sind wieder unterwegs!

Privates Chichen Itza zum SonnenuntergangGehr’s sind wieder unterwegs! Ziemlich genau ein halbes Jahr hat es gedauert, bis wir nun das große Gepäck wieder packen, ein paar Langstreckenflüge gebucht haben und den Tag herbeisehnen, wo wir dem musikgleichen Klang der Turbinen wieder lauschen können!

Wie ja viele schon wissen, versuchen wir ja nach besten Möglichkeiten (ich Drücke das so aus, weil es ja immer etwas schwierig sein wird, ein Jahr der nahezu kompletten Freiheit wieder gegen den Alltag auszutauschen) wieder in der Schweiz sesshaft zu werden. Das neue Wohnungsprojekt lässt uns im Moment nicht viel Zeit für lange Reisen. Deshalb haben wir uns spontan für ein Last-Minute-Angebot für Mexico entschieden. Neun Tage wollen wir in die Sonne, die Katalogbilder vom azurblauen Meer ködern uns… Doch sind wir tatsächlich noch Pauschaltourismus- und All-Inclusive-kompatibel? Ein mit einem „kleinen Zwinkern“ geschriebener kleiner Bericht.

 

Der Selbstversuch.

 

Samstag, 18.02.12: Es heißt früh aufstehen. Um 6.30 Uhr müssen wir am Flughafen sein, um unseren Zubringerflug nach Düsseldorf zu erwischen. Mit Air Berlin fliegen wir direkt nach Cancun in Mexico. Wir sind froh – kein Einreisen in Amerika, keine Verbindung mit nervigen Aufenthalten irgendwo. Dafür selbstverständlich aber ein riesiger „Ferienbomber“, damit verbundenen Leuten, die schon in Strohhut und Hawaiihemd einchecken, enge Sitzreihen und schlechtes Englisch der ausnahmslos Ü40 Stewardessen. Aber was soll’s… Man kann ja nicht immer Singapore fliegen, oder?!

Ungefähr 12 Stunden, zwei Runden „Chicken or Pasta“ und einem selbstverständlich tosenden Landeapplaus später kommen wir pünktlich in Cancun an. Wir entfalten unsere Glieder und freuen uns auf das Meer… Es ist ja erst 15 Uhr Ortszeit – die letzten Sonnenstrahlen sollten wir im Hotel angekommen also noch erwischen.

Ein Bus fährt uns vom Rollfeld zum Eingang der Passkontrolle. Schon an einem so frühen Stadium unserer Ferien verteufeln wir den Pauschal- und Massentourismus: Hunderte Flip Flop- und Hawaiihemdtouristen passen noch nicht einmal in das Gebäude!!!!

Um eine sehr lange Story kurz zu machen – vorher erwähntes war nur der Anfang. Wir warten geschlagene drei Stunden, bis wir mit unserem Gepäck endlich aus dem Flughafengebäude gehen können. So ein Feuerwerk an Administrationschaos ist für uns weltweite Premiere.

Eine weitere Stunde später kommen wir in unserem Hotel an. Der Traum vom Meer wird für heute durch eine Margaritha ersetzt…

 

Tag 1: Der Schock. Was genau haben wir uns eigentlich dabei gedacht, ein Hotel mit knapp 1000 Zimmern zu buchen?! Wir fühlen uns wie in einem zu groß geratenen Center Parks Feriendorf mit zeitgleicher OLMA. Neonfarbene Poolspielzeuge, ein Animationsteam von Grösse mindestens vier Fußballmannschaften, laute Musik, kantinenmässiges Ambiente am Hauptbuffet… Zum Glück haben wir ein Zimmer im „Adults only“-Bereich und können auch entsprechenden Strandabschnitt und Pool benutzen. So bleiben uns wenigstens die Millionen von schreienden Kindern erspart… Naja ob die schon um 15 Uhr betrunkene Amerikanergruppe besser ist…

Nichtsdestotrotz versuchen wir, nicht alles so streng zu sehen… Das Meer ist selbstverständlich wundervoll, die Mexikaner wirklich lustig und supernett und sie geben sich ja alle so sehr Mühe…

Für den Abend reservieren wir beim französischen Restaurant, eines der sieben Spezialitätenrestaurants. Das Menue ist weder in die Kategorie „essbar“ noch „Französisch“ einzuordnen. Soviel dazu. Soll ich jetzt wirklich noch über das Abend-Animationsprogramm berichten???

 

Tag 2: Die Verdrängung. Der Fluch des Jet-Lags: Wir sind schon um 5 Uhr am Morgen hellwach. Doch das hat auch seine guten Seiten: zum einen können wir frühzeitig die Liegen am Pool reservieren (SOWAS von SCHERZ!!!) und wir geniessen den Sonnenaufgang ganz allein am riesigen Strand von Playa del Carmen! Wir kuscheln uns in eine Strandliege, lassen uns die frisch/salzige Meeresluft um die Nase wehen und wärmen uns an den ersten goldig-roten-Sonnenstrahlen. Fast zu schön um wahr zu sein…

Ausserdem versuchen wir uns heute azyklisch zu den Massen zu bewegen und bleiben später dann doch am Pool. wir spielen ein wenig Wasservolleyball mit einigen anderen Pärchen und der Vormittag ist wirklich entspannt und nett. Bis uns der Roomservice (zum nächsten Restaurant sind es aufgrund der Größe des Hotels mindestens 15 Minuten) mit einem „Clubsandwich“ den Magen verdirbt und die nächste Betrunkene Ami-Gruppe auftaucht…

Bei einem Vodka-Martini (natürlich aus rein medizinischen Zwecken) Buchen wir übers Internet einen Mietwagen. Irgendwie müssen wir hier raus. Wir entscheiden uns für zwei Tage. Just in Case.

 

Tag 3: Die Verarbeitung. Mal ganz pragmatisch betrachtet: Eigentlich haben wir hier ja wirklich viele Möglichkeiten… Mittlerweile haben wir einige Plätzchen entdeckt, wo man den Massen entfliehen kann. Es liegt ja an uns, das Beste herauszuholen! Die Rahmenbedingungen stimmen ja sowieso, die Sonne strahlt aus allen Knopflöchern, Pool, Meer – alles wundervoll!

Heute ist also der Tag, um die voreile zu genießen und auszukosten. Der Adults-Only-Pool hat einen kleineren, ruhigeren Teil ohne Musik, weniger Leuten, ohne Poolbar und mit riesigen „Loungen“. Auch das Fitnessstudio und den Pool des Spa-Bereichs haben noch nicht so viele Leute entdeckt. Die Animateure bleiben uns so auch erspart… Wobei die armen Kerle ja wahrscheinlich auch nichts dafür können, wenn sie ständig in Frauenkleidern irgendwelche doof-Touristen bei Laune halten müssen… Außerdem beschließen wir die zwei Tage Mietwagen wirklich auszukosten. Wir buchen ein Hostel in Meridia, einer kleinen Stadt im Westen der Yucatanhalbinsel… Wir werden also doch einen etwas grösseren Ausflug Ende der Woche machen. Und das Problem mit den komischen Restaurants lösen ihr auch: wir essen einfach im Dorf in einem feinen mexikanischen Seafood-Restaurant. So geht’s doch wunderbar!

 

Tag 4: Die Annahme? Nach dem Frühstück steuern wir sofort unsere „Lounge“ am Pool an.  Wir wollen einen ähnlichen Tagesablauf wie gestern. Dumm nur, dass am Mittag genau die Teile des Hotels Stromausfall haben, wo sich Fitnessstudio und Sportsbar (Spiel Basel – Bayern) befinden… Soviel zum Thema Luxus… Aber so genießen wir den Rest des Tages am Strand mit ein wenig Beachvolleyball.

Am Abend vor der Versammlung holen wir auch endlich unser kleines Autoli ab mit dem wir die nächsten Tage um die Insel kurven werden.

 

Tag 5: Der Glückstag. Wir stehen früh auf, um den Tag bestmöglich auszukosten. Bereits um 8 Uhr sind wir am den Maya-Ruinen von Tulum. So kurz nach Türöffnung ist der Parkplatz noch leer und nur wenige Leute sind in der Anlage. Es ist beeindruckend! Die Ruinen befinden sich auf Klippen direkt über dem Meer. Wir schlendern durch die Anlage, die aus teilweise recht gut erhaltenen Tempeln, Häusern und Teilen der Stadtmauer besteht. Nach unserem Besuch beobachten wir bei einem feinen Glace, wie sich die Massen ihren Weg vom Parkplatz her bahnen. Echter Züri Fescht Charakter! Wir sind froh, stecken wir da nicht dazwischen!

Anschliessend fahren wir weit nach Coba – einer weiteren Ausgrabungsstätte. Wir sind noch nicht lange auf der fadengeraden Strasse unterwegs, schon ertönen Sirenen und zwei Polizisten umzingeln uns mit ihren Motorrädern. Ein mulmiges Gefühl erfüllt meinen Magen… Jetzt ist es gerade 10 Uhr am morgen und schon haben wir die mexicanische Polizei am Hals! Ein mehr oder weniger gut gelaunter Officer steht vor dem Seitenfenster. Selbstverständlich auf Spanisch erklärt er uns unser „Vergehen“ – wir hätten (auf der circa 10 Meter breiten Fahrbahn) zu knapp vor dem Gegenverkehr (ein auf dem Standstreifen stehendes Fahrzeug) überholt. Aha. Ja, das macht (keinen) Sinn. Wir geben uns – natürlich ebenfalls auf Spanisch – einsichtig… Und kommen mit ein bisschen Smalltalk und einer Verwarnung davon…

Die Ausgrabungsstätte Coba ist sehr weitläufig und die Tempel liegen im Dschungel verstreut. Deshalb mieten wir am Eingang zwei Fahrräder um schnell die circa 6 Kilometer zwischen den Ruinen zurücklegen zu können. Das Biken mitten im Urwald so über Stock und Stein ist echt cool und macht Spass und auf eine der Pyramiden kann man sogar noch heraufklettern… Aber das besondere Entertainment ist nicht, das selber zu machen, sondern den Anderen dabei zuzusehen! Die Mayas hatten es eben nicht so mit breiten Stufen…

Wer auf der Yucataninsel Urlaub macht, kommt quasi automatisch mit den „Cenotes“ in Berührung. Das sind Untergrund-Höhlen im Landesinneren, in denen man baden, schnorcheln oder auch tauchen kann. Die Meisten von ihnen sind jedoch mega-touristisch und teuer. So hatten wir schon fast den Gedanken verworfen eine zu besuchen. Wir hören jedoch, während wir in Coba unter einem Baum eine kleine Pause machen, wie ein Mexikaner einem Pärchen von drei lokal geführten Cenoten ganz in der Nähe erzählt. Danke für den Tipp – da fahren wir doch grad mal hin!

Nur 7 Kilometer weiter ist die Einfahrt. Mitten im Urwald steigen wir durch ein Loch im Boden über eine enge Treppe in eine dunkle Höhle hinab. Ich frage mich, was mich mehr gruselt, die drei in der Hängematte schnarchenden Mexicaner (Aufpasser) oben oder die Dunkelheit unten. Es wird auch immer kälter, je weiter wir nach unten steigen… Ich glaub, ich brauche gar keine Erfrischung mehr. Doch mit einem Mal öffnet sich unter uns eine geräumige Tropfsteinhöhle mit einem beleuchteten Pool in der Mitte. Eine handvoll anderer Touris hängen schon im Wasser. Es ist einfach WWWWOOOOOWWWW!!!!!! Wir springen in das absolut glasklare Wasser. Es ist wirklich superspeziell hier. Der helle Wahnsinn.

Wir besuchen auch noch eine zweite Cenote. Diese ist größer, hat dafür aber keine so schönen Tropfsteinformationen. Mutige können von einer Plattform aus circa 7 Metern in das Bassin springen. Ich gehöre nicht dazu, genieße aber das spezielle Ambiente.

Jetzt knurrt uns der Magen. Jetzt nach der normalen Mittagszeit hat nur noch ein etwas größeres Restaurant, in touristengünstiger Lage geöffnet. Wir sind skeptisch, weil ja solche Läden eher den Hang dahin haben, Schrott zu servieren… Aber irgendwas müssen wir ja essen. Und wir werden überrascht! Die Nachos feurig, die Guacamole so cremig wie meine Nachtcreme von Vichy und die Tacos…. aahhhh!!! Ein Gedicht! Wir gewinnen außerdem noch eine Erkenntnis: Wir waren auf der ganzen Weltreise auf der Suche nach dem schärfsten Essen. Nein, man findet es nicht in Asien, nicht bei den Indern… Man findet es zweifelsohne hier in Mexico!

Zufrieden und vollgefuttert fahren wir weiter. Ziel ist Merida, eine Stadt im Osten der Halbinsel. Wir kommen quasi an „Chichen Itza“ vorbei, der wichtigsten Maya-Ausgrabungsstätte, bekannt für seinen Platz als eines der sieben Weltwunder und dafür stets hoffnungslos überlaufen zu sein. Da Reto es ja schon kennt, will ich uns das eigentlich nicht antun. Wir beschließen allerdings, doch vorbei zu fahren und den Füllstand des Parkplatzes zu beurteilen. Es ist bereits 17 Uhr und so kurz vor Einlasschluss (Reiseführer sagt bis 18 Uhr) kann man ja eventuell noch Glück haben. Jedoch wimmelt uns der Parkwächter schon ab – es sei bereits geschlossen. Reto dreht um… Ich habe Angst, dass wir ihn falsch verstanden haben und insistiere noch ein zweites Mal zu fragen… Mit rollenden Augen lässt er uns durchfahren und meint, wir sollen doch selber an der Kasse fragen, wenn wir ihm nicht glauben. Der Parkplatz ist schon halb leer, die Massen strömen aus der Anlage, als wir an der Kasse stehen. Natürlich ist es schon geschlossen. Doch der nette Christobal, mit dem wir ein kleines Schwätzchen halten (wieder sind wir froh ums Spanisch), sagt uns leise von der Seite, dass wir mal seinen Kollegen, einen anderen Guide fragen sollen, ob er uns nicht doch noch durchlässt. Das ganze wird ein Staatsakt von fünf Leuten… Wir „lösen“ ein exklusiv, nur für uns erfundenes, „Spezial-Abend-Exclusiv-Ticket“ (da gibt es auch keine Quittung für) und gehen tatsächlich, als alle Touristen raus sind, in das Menschenleere Weltwunder Chichen Itza. Und damit nicht genug: wir erhalten eine Führung, Sonnenuntergang inclusive und wir dürfen außerdem in die Bereiche, die für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Wir sind völlig außer uns! Das hätten wir nicht mal zu träumen gewagt! Und dafür war’s noch echt ein Schnäppchen, dieses „Spezialticket“…

Jetzt rappeln wir nur noch die letzten zwei Stunden bis Merida runter. Als wir in dem kleinen Guesthouse ankommen, haben wir circa 400 Kilometer überwunden. Wir sind recht müde. Deshalb stolpern wir in das nächstbeste Restaurant hinein, um noch schnell eine Kleinigkeit zu essen… Wir wundern uns, wo die Kellnerin mit uns hin will, als wir um einen Tisch für zwei Personen bitten… Wir laufen durch den scheinbar endlosen Korridor des Gebäudes… Bis wir an einem Tisch hält machen, quasi im Garten des Innenhofes von wo man die beleuchtete, historische Kirche von Merida sieht… Natürlich ist das essen ebenso wundervoll, wie das romantisch-loungige Ambiente…

Als wir später im Bett liegen und die Notdürftige Klimaanlage röhrt wissen wir wirklich: heute war der absolut perfekte Glückstag…

 

Tag 6:  Der Travelspirit ist zurück! In unserem kleinen Guesthouse ist das Frühstück um 8.30 Uhr und besteht aus etwas Brot, Konfi, Früchten, einer feurigen Tomaten-/Zwiebelsalsa und einem liebevoll panierten und gebratenen Pouletschnitzel. Mal ‚was Anderes…

Wir wollen uns heute Morgen Merida etwas anschauen. So laufen wir in das historische Zentrum. Kaum an der „Plaza Mayor“ (Hauptplatz) angekommen, werden wir von einem Herren mittleren Alters angequatscht. Heute hätte es etwas Wind, das sei ja etwas angenehmer bei der Hitze… Zwar sind wir etwas irritiert, man weiß ja nie, was die einem mit einem Mal verkaufen wollen, wir beginnen aber trotzdem einen kleinen Smalltalk auf Spanisch mit ihm… ist ja auch immer gut ein bisschen zu üben. Er fängt an, uns Sachen über die Stadt und die alten Gebäude zu erzählen… Er will uns wohl wirklich nichts verkaufen. Wir fragen ihn nach einem guten Ort eine Hängematte aus „Sisal“ zu kaufen (das ist ein aus Mexico stammendes, sehr spezielles – aber auch relativ teures – Material, woraus auch Hängematten hergestellt werden, quasi DAS Souvenir aus Mexico). Er verweist uns auf das „Mundo Maya“, wo es die beste Qualität, die größte Auswahl, Möglichkeit zum Probeliegen und keine Betrügereien gibt. Zudem unterstützt man so die Leute direkt, es ist quasi auch eine Art Hilfswerk. Einen ungefähren Preis gibt er uns auch an. Danach verabschiedet er sich. Die Leute in Merida haben wirklich zu viel Zeit zu haben…

Bei so viel freundlichen Tipps ist klar, dass wir uns das auch anschauen gehen. Das “ Mundo Maya“ ist ein zweistöckiges Gebäude mit quasi jeder Art traditionellem mexicanischem Kunsthandwerk. Und schon sind wir voll im Thema und liegen sämtliche Hängematten probe – von der klassischen ein-Mann-Variante bis hin zur Familienversion für bis zu fünf Leuten. Es wird gehandelt und gefeilscht, bis wir mit einer Doppelhängematte zufrieden das Haus verlassen.

Jetzt steht  noch etwas Sightseeing auf dem Programm. Die  Plaza und die Stadt ist zwar schön, kann aber nicht mit den Plaza in Lima, Cuzco oder Ähnlichem mithalten. Dafür ist der Markt umso cooler. Er ist riesig und es gibt viel zu sehen. Außerdem spielen überall kleine Bands und es herrscht eine sehr fröhliche und beschwingte Atmosphäre. Wir kaufen getrocknete Chili, scharfe Saucen und essen eine lokale Spezialität an einem der unzähligen kleinen Stände. So haben wir’s gern.

Jetzt müssen wir leider schon weiter, denn wir wollen auf dem Rückweg noch nach Itzamal, der gelben Stadt. Wir fahren circa eine Stunde, bis wir wirklich nur noch gelb sehen… Die haben sich wirklich sogar nach RAL abgestimmt! Es ist wirklich, wirklich schön hier. Leider haben wir nicht so viel Zeit, damit ja noch einen rechten Rückweg vor uns haben. Wir essen Mittag und schauen uns die Plaza Mayor an.

Wir schaffen es sozusagen „auf die Minute“ das Auto pünktlich um 19 Uhr zurückzugeben. Es war wirklich ein megatoller Ausflug und wir sind so froh, haben wir die zwei Tage investiert! Einem entgeht ja soviel, wenn man nur auf der Liege am Pool liegt!

 

Tag 7: Der Doppelschock. Wenn man erstmal draußen unterwegs gewesen ist, wird einem anscheinend der Kontrast nur noch stärker deutlich. Alles wirkt wie eine Massenunternehmung (ist es ja auch) und die ganzen stillosen Leute, die schreienden Kinder, die plärrende Musik und die viel zu penetranten Animateure lösen halbe Panikattacken aus. Wir versuchen also wieder und möglichst entgegen der Massen zu bewegen, was heute nicht allzu schwer fällt, denn es gibt ab Mittags immer mal wieder kleine Regenschauer (und die meisten amerikanischen Pauschaltouristen haben ja bekanntlich Angst vor Regen – was wiederum dem Alkoholkonsum keinen Gefällen tut). So sind jedenfalls bald alle Liegen am Strand frei und wir genießen das aufgewühlte Meer und einen frischen, salzigen Wind.

Am Abend wollen wir der Hotelküche nochmals eine Chance geben und versuchen das mexicanische Restaurant. Hier sollte ja die Wahrscheinlichkeit  am Grössten sein, dass wir gutes Essen bekommen. Doch die Jalapenos con Queso lampig, der Thunfischsalat bitter, die Tacos gummig und die Margaritha mit Sprite gestreckt. Dios mio!

 

Tag 8:  Der Letzte.  Eigentlich ist nicht viel anders zu gestern. Wir versuchen uns ruhige Plätzchen auszusuchen und arbeiten an unserem Teint. Am Nachmittag machen wir eine ausgedehnte Shoppingtour nach Playa del Carmen und nutzen einen Vorteil hier: die Schnäppchen.

Außerdem haben wir heute, an unseren letzten Abend, keine Lust mehr auf pappiges Essen, die niemals endende Buffetschlacht, krebsrote Miturlauber, pummelige Animateure im Jacko-Kostüm und Drinks, die man sich gut-saufen muss…. Wir probieren ein Restaurant mit traditioneller Maya-Küche aus – es haut uns um! Die mexicanische Küche ist so vielseitig und Fajitas, Tacos und Buritos sind nur der Anfang. Wir geniessen unter Anderem „Ceviche“ (roher Fischsalat – ein Highlight in fast ganz Südamerika… überall ein wenig anders zubereitet), sensationellen Thunfisch mit Gewürzen, die wir noch nie gegessen haben, Kaktus als Gemüse und selbstverständlich einer „Golden Margaritha“. Hier wird nämlich – anders als beim Tex-Mex-Place um die Ecke – der goldige Tequila und nicht der Weisse für die Margaritha verwendet.

Etwas Besonders ist hier auch die Atmosphäre: das Restaurant ist am Rande einer Cenote, das heisst: bizarr-romantisches Höhlenfeeling bei Kerzenschein. Ein schöner letzter Abend geht zu Ende.

 

Die Abreise ist am nächsten Tag. Unserem Hotel muss man zu Gute halten, dass ein Late-Check-Out möglich gemacht wird. Darum sind wir später noch froh, da wieder die Abfertigung in Cancun eine Katastrophe ist und der Flug mit Air Berlin eher einem Viehtransport gleicht.

 

Das Fazit: Uns hat Mexico sehr gut gefallen. Wir sind uns absolut sicher, dass es hier noch viel mehr zu erleben und zu erkunden gibt. Jedoch beisst sich das für uns mit dem hier „üblichen“ Massen- und Pauschaltourismus. Es war ein Versuch, ob wir ein grosses Hotel mit zweifelsohne endlosen Angeboten (sieben Themenrestaurants, Tennisplatz, Fitnesscenter, Spa, Shows, Animation, ect. Ect.) noch schätzen können – doch wir können es nicht. Schnell kommt uns das Essen nicht mehr authentisch vor und die Freundlichkeit aufgesetzt. Für unser Gefühl muss ja eigentlich das vier- oder fünf Sterne Hotel besser sein, als das kleine Guesthouse für CHF 20 pro Nacht… wobei sich „besser“ für uns über das Authentische, Landestypische und auch Persönliche definiert. Je mehr Typisches man mitbekommt und je näher man bei den Einheimischen ist, desto besser. In einem Riesenhotel, das hauptsächlich amerikanische Touristen ansprechen soll, ist das jedoch ein Interessenskonflikt.

Hätten wir das vorher wissen müssen? Vielleicht. Doch wen sprechen die schönen Katalogbilder und der Gedanke des süssen Nichtstuns nicht an?

 

Für uns steht jedoch fest: der perfekte Urlaub ist für uns der, in dem man das absolut Meiste von Land und Leuten mitbekommt. Neues und Unvorhergesehenes zu erleben ist spannend – und wenn wir schon so weit reisen, wollen wir das auch in jedem Fall mitnehmen.

 

…und das Budget für die letzten drei, vier Nächte im kleinen (!) Superhotel, wird dann auch umso grösser 😉

 

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1 Comment

  1. Edwin says: Antworten

    Hallo!

    Es war gut wieder ein Reisebericht auf Deutsch zu lesen, vielen Dank!
    Ich glaube – nein, ich bin sicher – dass solch ein Riesenhotel mit ‚Touristen‘ uns auch nicht (mehr) gefällt. Aber Margarithas, Ceviche, auf Spanish reden, Sonne, blaues Meer….Reisen…

    Liebe Grüsse,
    Edwin (und Lisette)

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