Kamel-Safari durch das wilde Rajastan

Keine Rajastan Reise ist komplett ohne einen Ausflug in die Wüste Nordindiens auf dem Rücken oder besser gesagt zwischen den Höckern eines Kamels. Allerdings sahen wir schon das Problem auf uns zukommen, wie man in Jaisalmer – Nr. 1 Ort für Kamelsafaris – einen geeigneten Anbieter finden soll, um ein authentisches Erlebnis zu haben.

Als unser Gastgeber in Jodhpur uns erzählt, dass man eine Kamelsafari auch in der Nähe von Jodhpur unternehmen kann, fern ab von jeglichen Touristenströmen, überlegen wir nicht lange – ausserdem gibt uns dies die Gelegenheit, diesen Ritt noch zu viert -mit Marco und Pamela- zu erleben. Zwar ist es keine richtige Wüste sondern eher Steppe, dafür kann man mehr über das Leben der dort ansässigen Familien erfahren. Nicht sicher, was uns erwartet, wird alles für den nächsten Tag arrangiert.

Punkt 10 Uhr am nächsten Morgen erwartet uns unser Fahrer in Jodhpur’s Altstadt – zu unsererFreude kein klimatisierter Minibus mit anderen Touristen, sondern ein klappriger, rudimentärer, offener Pick-up-Jeep, der uns 90 min.  durch die Einöde fährt, die Jodhpur umgibt. Irgendwo, nachdem wir die asphaltierten Strassen verlassen haben, stehen plötzlich vier Kamele bereit und ehe wir uns versehen, watscheln diese mit uns zwischen ihren Höckern in eine Richtung los, die nur die drei Brüder kennen, die die Unternehmung ‚führen‘.

Die Gegend ist sehr karg, trocken und heiss. Im sandigen Boden überleben nur ein paar trockene Sträucher und Bäume. Ab und zu sieht man grosse Wassertanks, von wo die Frauen Wasser in die Dörfer tragen – zum Teil 10 km weit, bis zu 40 Liter (= 40 KG!!) in zwei Behältern auf ihrem Kopf. Die Männer arbeiten in den felsigen Teilen des Gebietes, wo sie Steine abtragen, um Häuser und Mauern zu bauen. Kinder hüten die Ziegenherden oder sammeln Feuerholz. Nebst den ansässigen Haus- und Weidetieren erspähen wir auch einige Exemplare der dort wild lebenden Antilopen, die aufgeregt durch die Steppe hüpfen. Fast fühlt man sich wie in Afrika!

Nach einiger Zeit übernehmen wir die Zügel der Kamele. Ganz einfach. Links ziehen = links gehen, rechts ziehen = rechts gehen, beide Zügel anziehen = Stopp! Nach einen ausgiebigem Boxenstopp an einem der Brunnen (Kamele sind ganz schön laut beim Saufen!) verlassen wir die Trampelpfade und gehen querfeldein auf die höchste Sanddüne, von wo aus man einen herrlichen Rundum-Blick auf die umliegende Gegend hat.

Während sich die Kamele im Sand wälzen (und sich unsere Turnschuhe mit selbigem füllen), geniessen wir die Ruhe, die Aussicht und die saubere Luft. Wir versuchen, uns (oder besser gesagt unsere Hinterteile) auf mehr Kamelreiten vorzubereiten (Autsch!). Schon geht’s weiter, die Sanddüne hinunter zum Haus der Familie, die alles organisiert. Kaum angekommen, werden wir von der Familie aufs Feinste bewirtet – Linsen- und Krautgerichte, Kartoffeln, Gemüse an Curry, frischgebackenes indisches Brot und Reis – bis wir richtig satt sind. Die Grossfamilie im Haus isst erst hinterher…. haben wir genug übrig gelassen für alle?!!

Im Haus wohnt nämlich die ganze Familie. Die Grosseltern, unser Jeepfahrer mit Frau und neugeborenem Kind, sowie seinedrei unverheirateten Brüder.  Die Schwester mit ihrer kleinen Tochter ist für einige Wochen zu Besuch. Ein hartes Leben, aber es geht ihnen besser als den Meisten in der Gegend – immerhin gibt es einen Brunnen direkt auf dem Gelände, ein solides einstöckiges Haus mit 5 kleinen Zimmer und Innenhof und die Familie besitzt nebst einem Dutzend (höchst neugieriger) Ziegen 5 glückliche Kamele, die fast wie Familienmitglieder behandelt werden. Mit ein bis zwei durchgeführten Kamelsafaris pro Woche gibt es somit ein regelmässiges Einkommen.

Ein bisschen Touri-Gehabe muss dann doch noch sein – das obligatorische Fotoshooting mit traditionellen, nordindischen Turbanen… steht uns doch gar nicht so schlecht oder?! Wir gönnen den Kamelen ihren wohlverdienten freien Abend – und unseren Hintern auch – und verzichten auf eine weitere Exkursion per Kamel, sondern geniessen die Rückfahrt im Sonnenuntergang zurück nach Jodhpur, zurück ins verrückte Indien, wo alles möglich ist.

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