Besuch im King’s Childrens Waisenhaus

Warum besuchen wir während unseres Urlaubes ein Waisenhaus? First things first: Nein, wir tragen uns nicht mit dem Gedanken ein Kind zu adoptieren. Wir sind dankbar dafür, dass wir reisen können, gesund sind, genug Mittel zum Lebensunterhalt haben und nicht in Angst vor Kriminalität leben müssen. Deshalb überlegen wir uns hin und wieder, ob wir irgendwo etwas helfen können – in der einen Form oder anderer. So sind wir auf das King’s Childrens Waisenhaus in East London gestossen.

Die Geschichte dieses komplett privat geführten Waisenhauses begann vor 8 Jahren, als die Familie um Ehefrau Tracy King mit dem Fall vom kleinen Benjamin konfrontiert wurde, der verlassen aufgefunden wurde. Familie King nahm sich seiner an. Noch im gleichen Jahr erschien eine Zeitungsartikel, dass in Südafrika jährlich 3500 Kinder verlassen und ausgesetzt werden, die Dunkelziffer ist um ein riesiges Mass höher. Bewegt von tiefem Mitgefühl fragten sie sich, wie viele Kinder sie auf ihrer Farm wohl aufnehmen könnten. Heute sind es circa 30 Kinder im Alter von 4 Monaten bis 5 Jahre.

Das Waisenhaus existiert ausschliesslich aufgrund von Spenden von Privatpersonen. Nach einem Emailkontakt verabreden wir uns für ein Kennenlernen, Spieltag mit Malstunde und ein Picknick vorbei zu kommen.

Im Vorhinein sind wir aufgeregt. Wie wird es wohl werden? Wollen die Kids überhaupt etwas mit uns zu tun haben? Verstehen wir einander (die Kinder sprechen kein Englisch, sondern grösstenteils Xhosa)? Wird es komische Momente geben??

Kings Children Home Volunteering 3Als wir mit dem Mietauto vorfahren gucken viele neugierige Augenpaare uns an. „Helloooo!!“ … und viele weisse Zähnchen leuchten, als die Kids strahlen… Mitarbeiterin Kerry führt uns über das Areal. Sie berichtet uns von den Schicksalen der Kinder. Es ist herzzerreissend und uns wird schlecht. Manche Kinder sind Waisen, aber die Meisten wurden misshandelt oder ausgesetzt. Zwei Jungs wurden vor Weihnachten auf einer Müllhalde gefunden, ein anderes Mädchen (circa 1 Jahr alt) wurde der Mutter weggenommen, weil der Freund das Kind vergewaltigte. Andere wurden in zugeschnürten Müllsäcken gefunden. Ein Junge wurde von seiner Grossmutter innerlich rektal verbrannt. Teile seiner inneren Organe sind zerstört. Und bei einem Mädchen fehlen einige Finger, zudem auch die Hälfte der Nase und sie hat ein vernarbtes Gesicht. „Was ist ihr passiert?“, fragen wir. Kerry spricht leise: „Ihre Mutter ist weggelaufen und ihr Vater hat Alkoholprobleme. Er konnte nicht für sie sorgen und hat das Neugeborene sich selbst überlassen. Ratten haben sie so zugerichtet.“ Wir sind völlig am Ende…

Doch wir versuchen uns zu sammeln und uns darauf zu konzentrieren, warum wir eigentlich da sind. Der erste Hit sind die Seifenblasen, die wir mitgebracht haben. Die Kids haben eine Riesen-Freude und alle teilen fein und so glitzert der Hof mit hundert Seifenblasen… Warum können diese Kids noch so fröhlich sein? Für uns grenzt das an ein Wunder.

Ich fasste schon zu Hause den Entschluss mit den Kids zu malen und habe deshalb Stifte verschiedenster Art, Glitzer und einen Tuschkasten mitgebracht. Was Schweizer Kindern Spass macht, kommt bei den afruikanischen Kids achtmal so gut an! Wir malen einige Bilder, sie freuen sich über die Tier-Sticker und innert kürzester Zeit glitzern alle Papiere, Kinder und wir!

Tracy erzählt uns mehr über den Werdegang der Kinder. Seit 2099 haben sie 150 Kinder aufgenommen. Sie bemühen sich schnell eine Kings Children Home Volunteering 2neue Bleibe für die Kinder zu finden. Oft sind es entferntere Familienangehörige, die sich der Kinder annehmen. Aber in Südafrika ist auch Adoption für viele Familien eine Option. Patchworkfamilien mit eigenen, sowie auch adoptieren Kindern sind völlig normal. „Ein Kind zu adoptieren dauert innerhalb Südafrikas circa ein Jahr – etwas länger wie eine Schwangerschaft“ – informiert uns Tracey. „Internationale Apotionen sind jedoch schwieriger. Meist muss sich ein adoptionswilliges Paar auf 4 Jahre Papierkrieg einstellen, bis sie ihr Kind mitnehmen dürfen.“ Traurig, aber wahr.

Wenn die Kinder älter werden und keine Adoptiveltern finden, kommen sie zu „Foster-Parents“ – das bedeutet zu Pflegeeltern, aber sie werden möglicherweise über die Jahre von Familie zu Familie „weitergereicht“. Wir schauen in die Augen der Kinder und fragen uns, was wohl ihre Zukunft bringen wird…

Wir merken, wie die Kinder nach ein wenig Liebe und Aufmerksamkeit hungern – obwohl sie bei Tracy und ihren Angestellten „Mamas“ sehr gut und liebevoll versorgt werden. Die „Mamas“ wohnen sogar auf dem Gelände und bleiben Tag und Nacht bei den Kindern. Doch uns ist klar: Das reicht einem Kind kaum zum erwachsen werden.

Kings Children Home Volunteering 1Es ist ein schmerzlicher, aber auch schöner Besuch hier. Wir freuen uns, dass wir den Kindern ein paar – wenn auch wenige – schöne Momente bescheren konnten und ihnen vielleicht zeigen konnten, dass nicht die ganze Welt ein grausamer und schlechter Ort ist. Jedoch ist es schwierig für uns zu verstehen. Am Liebsten würden wir alle diese 3500 verwaisten Kinder retten, bzw. 7000. Ist das die Dunkelziffer? Wie viele Kinder werden in den zugeschnürten Müllsäcken nicht gefunden? Fragen, viele schmerzliche Fragen. Doch leider können wir das nicht. So bleibt uns, Tracey und ihrem Team unsere tiefe Bewunderung auszusprechen für ihre Arbeit, über zum Bespiel diesen Artikel das Schicksal dieser Kinder bekannt zu machen und im Rahmen unserer Möglichkeiten ein winziges Bisschen zu helfen – sei es materiell oder indem wir sehr gern diesen Tag beutzt haben die Arbeit der „Mamas“ etwas zu erleichetern und ein paar Lächeln zu schenken. Waisenhaus

Wir möchten die Kinder weiterhin unterstützen. Wer dies auch tun möchte, findet hier alle Angaben dazu.

Homepage des Waisenhaus: http://www.thekingschildrenshome.org

Internationale Spenden: http://thekingschildrenshome.givengain.org

Waisenhaus

 

 

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1 Comment

  1. […] besuchen in East London noch das Kings Children Waisenhaus. Lest hier unsere Erfahrungen – wir können es sehr empfehlen ein wenig Zeit auf ein gemeinnütziges […]

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