Marrakech & das Atlas Gebirge

Winterzeit, aber kein Schnee weit und breit? So erging es uns in der Weihnachts- / Neujahrswoche. Anstatt im nass-kalten Herbstwetter zu sitzen konsultieren wir – wie so oft – die Günstige-Flüge-Sektion auf Kayak. Und dann stechen sie uns ins Auge: Zwei Flüge von München nach Marrakech. Gesehen, gebucht. Drei Tage später geht es los!

Die üblichen „Arabien-Klischees“

Mit Marrakech verbinden wir die Stichworte wie „Orientalische Opulenz“, „Tausend-und-eine-Nacht“, aber auch duftende Gewürze, den lebendigen Souk, eine exotische und fremde Kultur, Bauchtanz, Wüste und goldene Wunderlampen. Das alles sauste uns durch den Kopf, als wir den Button „buchen“ drücken… In der Zeit, bis die Tickets auf unserer Email waren, dachten wir aber an: aufdringliche Verkäufer, exorbitant hohe Touristenpreise, ein Männer-dominiertes Stadtbild und keine Rechte für Frauen… Dabei möchte ich mir doch im Restaurant gern selbst aussuchen dürfen, was ich essen möchte…, denke ich. Typische Traveldestination-Second-Thoughts eben.

Reto besuchte Marokko vor 18 Jahren das erste und bis jetzt einzige Mal. Damals war er zum Strandurlaub in Agadir und hat eher den „Orientalischen Alb-Traum“ erlebt. Doch wir wollen Marokko und Marrakech eine zweite Chance geben und hoffen dieses Mal auf den „Orientalischen Traum“!! Wir sind gespannt.

Unsere Reise nach Marrakech

Mit der tunesischen Airline „Nouvel Air“ fliegen wir von München nach Marrakech. Ein angenehmer Flug. Das Wort der Stunde: „Beinfreiheit“. In der normalen Economy Class macht sich in uns ein wohliges „Business-Gefühl“ breit. Wohin fliegen die Langstrecke????

Nach guten 4 Stunden Flug kommen wir im vor zwei Wochen neu eröffneten Flughafenterminal an. Alles vom Feinsten, die Einreise läuft reibungslos. Gerade sind wir dabei unseren imaginären Panzer anzuziehen für den Moment, wenn gefühlte 2000 Taxifahrer einen überzeugen wollen, dass ihr Taxi das Beste, Günstigste und Schnellste sei. Doch vor der Tür ist niemand. Niemand, der uns anquatscht, anfasst… Kein: „Hello, my friend…“. Stattdessen wartet Husan auf uns, ganz in Ruhe mit einem freundlichen Lächeln. Er ist der Fahrer unseres Riads und bringt uns in die Medina. Als zwischendurch sein Handy klingelt, telefoniert er mit FREISPRECHEINRICHTUNG. Ja, was ist denn hier los?

Unsere Oase in der Medina

P1000170Wir steigen im Riad Zamzam ab. Ein „Riad“ bezeichnet ein altes, traditionelles Haus in der Altstadt. Das Zamzam liegt inmitten der Medina – das ist Marrakechs autofreie (aber nicht Moped-freie!!!!) Altstadt. Die engen Gassen und alten Häuser sehen von aussen alle gleich aus. Das ist die ersten Tage verwirrend, aber Faysal (auch genannt „Der Touristen-Wiederfinder“) von unserem Riad meint das gehöre einfach dazu. Wenn man sich verlaufe, dann entdecke man immer neue und spannende Ecken der Stadt. Gesagt. Getan. Haha.

Das Besondere an Marrakech ist für mich dieser geheimnisvolle Zauber. In den Gassen der Medina Marrakesch Riad ZamZam
ist es laut, Fussgänger, Esel und knatternde Mopeds teilen sich die engen Gassen. Jede Tür gleicht der Anderen. Doch was sich dahinter verbirgt ist manchmal einfach atemberaubend. Erst jetzt verstehe ich den Satz: „Sesam öffne Dich“ – Eine Tür geht auf und man tritt in eine völlig neue Welt. Der Lärm bleibt in den Gassen uns man steht in den schönsten Riads mit luftigen Innenhöfen, Palmen oder Orangenbäumen in der Mitte, Stukaturarbeiten, verzierten Holztüren, orientalische, bemalte Fliesen, kunstvoll geknüpfte Teppiche, grosse Brokat-Kissen und eine sonnige Dachterrasse fehlt auch nie. Es duftet nach Rosen, frisch aufgebrühtem Minztee, das Nationalgetränk Marokkos, und Orangen. Und Gewürzen. Und… einfach herrlich!

…genauso ist das Zamzam…

Das typische Touri-Programm

Marrakech HighlightIn Marrakech gibt es viel zu sehen. Highlights sind die alte Universität und Koranschule „Medersa Ben Youssef“, welche durch ihre Architektur und aufwändigen Verzierungen glänzt. Auch die „Koutoubia Moschee“ ist ein Must-See, obwohl man als Nicht-Muslim nicht hineingehen darf. Die „Sardier Gräber“ Marrakech Highlightssind von innen gleichermassen prunkvoll wie das Taj Mahal und hat uns wirklich umgehauen. Der „Bahia Palace“ besticht auch durch seine Architektur und Kunsthandwerk und lädt zum Verweilen und Selfie-machen ein. Die „Majorelle Gärten“ sind eine Oase inmitten der Neustadt, welche die Botanik des Landes zeigen.

Einige Museen wie das Kunstmuseum und das Marrakech Museum sind interessant und obendrein in schönen Riads oder Häusern.

Aber an zwei Dingen kommt ein Besucher Marrakech nicht vorbei. Dem „Djemaa El Fna“ (alias „Grosser Platz“) und den Souks in der Medina.

Der Djemaa El Fna ist die zentrale Drehscheibe der Stadt. Während am Tag Schlangenbeschwörer und Wahrsager die Touristen in ihren Bann ziehen, erwacht der grosse Platz aber erst am Abend so richtig zum Leben. Unzählige Essenstände und mobile Restaurants bieten lokale Spezialitäten für wenig Geld an. Unser Tipp: Am Besten gesellt man sich als Tourist zu den Einheimischen, denn die wissen wo es am Besten schmeckt!

Marrakech SouksDie Souks in der Medina sind mehrere Besuche wert und selbstverständlich der beste Ort zum Kaufen von Souvenirs. Zwar ist es immer gut ein Auge auf die Qualität zu haben – laut Einheimischen kauft man Gewürze besser im Geschäft (oder sogar im Supermarkt). Wir haben uns an orientalische Teekannen, Windlichter und Schuhe gehalten und wunderschöne Stücke ergattert. Als Faustregel zum Handeln können wir den Tipp geben: Bei einem Fünftel vom geforderten Preis zu Handeln beginnen und nicht mehr wie ein Drittel zahlen.

Uns hat sehr überrascht, dass alle Händler es aber auch akzeptieren, wenn man einfach nur schaut und das Geschäft dann wieder verlässt, ohne etwas zu kaufen. In der gesamten Zeit wurden wir nie bedrängt etwas zu kaufen, sondern immer mit sehr viel Respekt behandelt.

Das Atlasgebirge und die Lokals

2016rueckblickUm noch eine andere Facette von Marokko zu sehen, machen wir einen zweitägigen Ausflug ins Atlasgebirge. Unser Riad empfiehlt uns Fahrer und Guide Dahout. Er selbst ist ein Berber und wohnt eigentlich mit seiner Fünfköpfigen Familie in der Wüste. Da es dort wenig Arbeit gibt, arbeitet er die meiste Zeit des Jahres von Marrakech aus als Touristenführer.

P1000628Er ist ein netter Kerl, so ungefähr in unserem Alter. Ausserdem ist er total offen und erzählt uns ohne Einschränkung alles was wir über die Kultur, das Land oder die Religion wissen möchten. Wir sehen den Tizi n’Tichka-Pass (2.260m), schauen den Palast von Telouet an, die Wüstenstadt Ben al Haddou, die Skoura Oase und das Hollywood von Arabien – die Stadt Ouarzazate.

Dahout engagiert bei jeder Sehenswürdigkeit einen lokalen, befreundeten Guide (keine Angst, keine Extra-Kosten, alles im Preis mit drin!). So lernen wir gleich ein paar Lokals kennen. Wir sind überrascht von der Offenheit und Freundlichkeit und auch, wie sie absolut keinen Unterschied zwischen mir und Reto machen. Auch als Frau darf ich alles fragen und bekomme freundliche, ausführliche Antworten.

Durchweg stellen wir fest, dass die Leute sehr zufrieden sind. Sie sind mit ihrem aktuellen KönigMarrakech Souks unglaublich zufrieden. Und das, obwohl er grundlegende Dinge in der Verfassung geändert hat. Seit er regiert ist die Polygamie zwar weiterhin möglich, aber die erste Frau muss zu einer weiteren Frau das Einverständnis geben. Laut unserem Guides: Die beste Entscheidung ever. Auch dürfen Frauen alle Berufe ergreifen, wählen und es gibt ein gerechte Aufteilung der Güter im Falle einer Scheidung. Zudem erteilt der König regelmässig Privataudienzen, investiert in lokale Betriebe und unterstützt sogar Familien individuell.

Wir sind begeistert von der Schönheit des Landes. Uns begeistern die Täler und Oasen, im Hintergrund die schneebedeckten Berge! Es ist hier so Exotisch und Besonders. Wir sind in einer ganz anderen Welt und doch fühlen wir uns willkommen und einfach wohl

P1000490Spontan organisiert Dahout für uns ein Mittagessen bei Freunden von ihm – einer ganz normalen Familie, welche auch in einer Oase wohnt. Wir bekommen eine hausgemachte Tagine  und selbstgebackenes Brot – einfach wunderbar! Wir lernen die vierköpfige Familie ein wenig kennen, sitzen in ihrem Wohnzimmer, dürfen einen Blick durch das aus Wüstensand gebaute Haus werfen und erfahren über ihr Leben. Alles ist so einfach: Couch und Bett gibt es nicht: Dafür sitzen und schlafen sie auf dicken Teppichen, die jede Hausfrau selber herstellt. Sie sind zufrieden und glücklich. Das sagen sie uns nicht nur, das merken wir auch!

Fazit Marrakech

Morocco DesertMarokko und Marrakech wird uns sicher wiedersehen. Wir haben tatsächlich den „Orientalischen Traum“ gefunden und erlebt. Wie in allen Ländern, ist auch in Marokko Respekt gegenüber der lokalen Gepflogenheiten und Religion das A und O (siehe hier unsere Packliste für Marrakech). Mit dieser Einstellung konnten wir auf allen Ebenen geniessen: Nebst wunderbaren Sehenswürdigkeiten konnten wir die ganze Exotik dieses schönen Landes erfahren. Die Menschen sind positiv, freundlich und offen – so erhielten wir als Reisende einen tiefen Einblick in die Kultur und Lebensweise der Locals. Die Medina von Marrakech ist eine andere Welt. Ein Reisender sollte sich also auf einen Kulturschock einstellen – Aber ist es nicht das, wonach wir suchen, wenn wir reisen? Nach Marrakech sind wir als Fremde gekommen, doch als Freunde wieder gegangen…

 

Share this:

Schreiben Sie einen Kommentar