Welcome to India – und nichts klappt mehr!

Liebe Freude, nach vier Monaten ist er da. Der Moment völliger Ratlosigkeit und fast schon Resignation… Wir sind vor drei Tagen in Bangalore/Indien angekommen. Bis jetzt haben wir es geschafft, uns bis nach Mysore (3 Zugstunden) zu verschieben.

Und da sind wir nun, Reto mit Stirnhöhlenentzündung, ich mit Reiseflaute. Nach allgemein als „schwierig“ eingestuften Reise-Destinationen wie China, Tibet oder auch Kambotscha dachten wir, uns würde nichts mehr schocken. Wenn man einmal quer durch China reisen kann, ohne ein Wort Chinesisch zu können – was soll noch kommen?! Indien.

Wir wurden herzlich begrüsst – lachende Leute, feines Curry an jeder Ecke, freudlich hin- und herwackelnde Inderköpfe überall. Bis wir die ersten Rikscha-Fahrer trafen (das Equivalent zu den südostasisatischen Tuk-Tuks). Mittlerweile haben wir eine 30%ige Chance erarbeitet, am gewünschten Ort auch anzukommen. In bereits drei Tagen Indien wurden wir bereits eine Stunde für eine 2km-Strecke durch die Gegend gefahren, aufs übelste bedroht (sodass wir die Security vom Hotel bemühen mussten), in einer indischen Nachbarschaft ausgesetzt (als wir die „Tankrechnung“ nicht zusätzlich noch zahlen wollten), usw.

Dann hatten wir uns so eingebildet, dass wir wie bisher unseren Reiseverlauf fortzu ein paar Tage in voraus planen und buchen (z.B. Zugtickets) können. Fehlanzeige. Der moderne Hindu/Moslem-Inder feiert nämlich Weihnachten. Also: alle Züge restlos ausgebucht! Wir stehen auf allen erdenkbaren online-Wartelisten für Tickets, um irgendwie durch die Gegend zu kommen.

Wenigstens haben wir hier in Mysore ein netteres Hotel gebucht. Eines mit Pool. Als wir im Badegewand, bewaffnet mit Sonnenbrille und guter Lektüre Selbigen benutzen wollen, wird dieser Traum jedoch von Baulärm, aufgerissenem Boden und leerem Pool zerstört.

Tja, no Pool, no go – wir reden mit dem Manager, wollen eine Nacht früher auschecken. Laut Manager angeblich kein Problem. Das glauben wir mal nicht – who cares?! Wir wollen endlich unsere Ruhe!!

Smarte Idee: Warum nicht einfach mit dem Bus zum nächsten Ort weiter reisen (ok, sämtliche Reiseführer raten davon ab)?! Wir kämpfen uns zum Busbahnhof und wollen einen Nachtbus für den 24.12. (!) von Mysore nach Cochin buchen. Die guten Busse haben Air-Con und sind in 9 Stunden am Ziel – wir enden mit zwei Plätzen von den letzten acht im Nicht-Air-Con Bus, voraussichtliche 11 Stunden Fahrzeit. Mir ist zum Heulen.

Nun sollten wir noch ein Handy haben. Unser Plan ist, eine Pre-Paid-SIM-Karte zu kaufen, um ein wenig flexibler zu sein. Wir gehen in den ersten Handy-Shop, die uns erklären, dass wir einen beglaubigten Brief von der nächsten Polizeistation bräuchten, um als Ausländer eine SIM-Karte kaufen zu können. In einem zweiten Shop wird diese Aussage bestätigt. Reto (immernoch mit Stirnhöhlenentzündung und ich immer noch mit Reiseflaute) lassen uns vom Rikschafahrer (oh nein!) zum Polizeiposten (oje, oje) bringen. Eine Horde Uniformierter wackeln im Gleichtakt mit den Köpfen hin- und her. “ No Silr, wle ale velly solly but wle cant do noting flr yu Silr. Wlong plaace. One kllm. Tlaek Tluk-Tluk…“

Ok, nochmal Rikscha zum nächsten Polizeibüro. Drei Klein-Gauner sitzen schon im Wartezimmer. Nachdem wir sechs Officer erklärt haben, was wir möchten und acht verschiedene Antworten bekommen haben (von 2x „Wllong place“-> falscher Ort – mehrmals, „Not wollrk“ ->geht nicht, 3x „See Commissioner“ -> muss Boss entscheiden und noch alles mögliche Andere) werden wir in ein Hinterzimmer gerufen. Dort erklärt uns der hinter dem Schreibtisch sitzende, dass wir als Ausländer  mit Touristenvisum keine Chance haben ein Handy zu kaufen und dass er da auch nichts machen könne. Ist das jetzt der Moment an den sie geschmiert werden wollen?! Wir verlassen das Büro.

Die drei Klein-Gauner passen uns ab. Wir sollen einem „Armed“ um 18 Uhr anrufen, dann bekämen wir auch gleich ne SIM-Karte… haha. Bevor uns auch noch der lokale Drogendealer am Eingang zum Polzeiposten sein Angebot näher erläutern kann, steigen wir in die nächste Rikscha und bitten um den Turbo-Gang…

Wir beschliessen zum Markt zu gehen und ein wenig zu „relaxen“. Wir biegen eine kleine Seitengasse ein, in einem Hinterhof sehen wir einen Handy-Verkäufer. Nun versuche ich ein letztes Mal mein Glück. Leichter Hundeblick, nettes Lächeln, aber bestimmtes Auftreten… Ich suche ein Handy aus, SIM Karte – kein Problem, nur eine Passkopie. SUPER! Wer sagt`s denn! Reto fährt als Beifahrer auf dem Motorbike mit zum Hauptshop, um die Kopie zu machen und die SIM-Karte abzuholen… doch nach einer weiteren Stunde, einer Kuh-Rammung und zwei fast-Unfällen auf dem Motorbike später wird auch dieser Traum wieder zerstört. Vor einem Monat wurde den Mobilfunk-Anbietern die Auflage erteilt, Prepaid-Karten nur noch gegen amtlich bestätigte Aufenthalsadressen auszuhändigen.

Wenigstens finden wir in einem kleinen (natürlich hochoffiziellen!) Garagengeschäft noch einen Bottle-Shop (Alkohol ist in Indien verpönt). Wir kaufen eine grosse Flasche Bacardi. Punkt. (Eine kleine gibt’s dann noch gratis dazu… hä?!)

Völlig erledigt flüchten wir in ein Restaurant. Das Menue können wir nicht lesen. Wir wählen willkürlich irgendetwas aus.Strahlend bringt uns der Kellner zwei dampfende Teller. Um uns herum sitzen nur Einheimische… wir werden kopfwackelnd angelächelt und fühlen uns willkommen. Es duftet so fein… Wir nehmen die ersten Bissen – eine Explosion aus Aromen: süss, scharf, würzig, die Konsistenz: knusprig, sanft, cremig und doch knackig… Was war grad noch so schlimm???????

So beenden wir den Tag. Bilanz: Kein Handy. Kein Refund für den früheren Check-out, eine sehr stressige Busfahrt für morgen Nacht bevorstehend, in den Abgrund des Illegalen geblickt… aber irgendwie fühlen wir uns ein wenig akklimatisierter. WELCOME TO INDIA!! Es kann losgehen…

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1 Comment

  1. Mark-Daniel says: Antworten

    Oooh ihr Armen!! Lasst den Kopf nicht hängen, nach Indien habt ihr das schlimmste überstanden 😉
    Zum Thema Handy: Wir waren ja letzten Monat da und hatten auch von zig Handyläden das gleiche gehört. Bis wir dann in Dehli in einem kleinen Hinterhofladen auch zwei Passkopien und ein Passfoto gegen eine Simkarte tauschen konnten. Die war sehr billig (Glaube, dass die nichtmal 5 Euro gekostet hat und die Gesprächsminuten nach Europa sind für unsere Verhältnisse auch sehr günstig.) Ihr müsst nur aufpassen wo ihr sie kauft, weil ihr Roaming zahlen müsst, sobald ihr sie außerhalb des Bundeslandes benutzt.
    Viel Erfolg!! und immer schön feilschen!! 😉

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