Stürme, ein fehlender Eimer und Flachwitze – Segeladventure-Woche 3

Woche 3 Top

Eine neue Woche bricht an. Für uns Segelwoche 3 in Griechenland und für unsere Crew, Jules & Britta, Daniela und Australierin Nichole eine erste Woche auf See!

In der Marina Alimos läuft beim Boarding alles wie gewünscht, einzig der Wetterbericht wirft einige Fragezeichen auf. Tatsächlich sind Regen und Gewitter für Den Anfang der Woche vorausgesagt. Doch unsere Vercharterin Jovana winkt ab: “Das wäre das erste Mal seit 8 Jahren, dass es hier im Juli oder August regnet!” …naja wenn das so ist…

Crew Nr. 3 PorosVon Athen aus steuern wir Salamis an.

Aus der Bordkombüse wird das Abendessen gezaubert und die Crew geniesst die erste Nacht an Bord der Fearless D. Zwar schaukelt es in der Nacht ein wenig, aber so hoffen wir auf Wind für morgen.

Ein fast nicht endend wollender Sonntag.

Der Vormittag beginnt relativ harmlos und auch der zur guten Gewohnheit gewordene Bade- und Lunchstopp am Mittag bereitet der ganzen Crew Spass. Ausserdem schlendern wir durch Aigina, nehmen einen Freddo Cappucino und besprechen das Ziel für den Nachmittag. Wir erinnern uns an eine schöne Badebucht an der Nordseite der Insel Poros. Die Überfahrt sollte nach circa 2 Stunden geschafft sein.

Über uns brauen sich schwarze Wolken zusammen.

Sollte der Wetterbericht recht behalten? Werden wir tatsächlich einen Schauer abbekommen?

Kaum ein Lüftchen geht. Als wir auf die erste segelbare Böe treffen holen wir beide Segel raus und bewegen uns mit einigen wenigen Knoten fort. Skipper Reto denkt schon fast an das Einholen der Segel, bis wir durch eine Meerenge kommen…

Und plötzlich bläst es uns mit 20 Knoten um die Ohren.

Dazu kommen mannshohe Wellen, die unsere Fearless D von einer Seite zur anderen schmeissen. Was für die einen ganz lustig ist, ist für die anderen die Hölle. Zwei Crewmitglieder werden stark seekrank. Wir versuchen dies mit Medikamenten und gutem Zuspruch in den Griff zu bekommen, doch dies gestaltet sich schwierig. Tabletten werden nicht bei sich behalten und zwei Eimer wären besser wie einer. Doch da müssen wir jetzt alle irgendwie durch!

Thunderstorm Poros

Zwei Stunden geht das Drama, bis wir in besagter Bucht ankommen. Wir setzen den Anker, müssen jedoch feststellen, dass dies heute ein ungeeigneter Ankerplatz für die Nacht ist. Der Wind ist zu stark, kommt aus einer anderen Richtung wie angekündigt und wir haben schon zwei seekranke Crewmitglieder.

So fällt die Entscheidung schnell: Wir müssen die Fearless d allein in den sicheren Hafen von Poros Stadt bringen und setzen unsere Crew von hier aus ins Taxi.

Noch eine Stunde auf See in zwei Meter Wellen liegen vor uns. Britta und Jules entscheiden sich doch bei uns zu bleiben und mit uns die Rodeo-artige Überfährt auf sich zu nehmen.

Wir schaukeln nach Poros.

Vor dem Hafenbecken finden wir pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit einen Ankerplatz bei so einigen anderen Booten. Die See wird ruhiger und mit dem Dingi holen wir die ganze Crew wieder an Bord.

Bis 3 Uhr schlafen wir tief und fest, bevor uns das Unwetter fest in seiner Hand hat.

Die Ankerkette ist zum zerreissen gespannt und der Wind heult mit seinen 25 Knoten. Um uns herum Geschrei, weil zwei Nachbarn aufeinander aufgelaufen sind. Einige Yachten fahren unter Motor in die schwarze Nacht hinein – anscheinend hielten ihre Anker nicht. Mit Jules und Britta treffen wir uns an Deck, als der Regen anfängt herunter zu prasseln. Zwei Stunden harren wir der Dinge. Der Sturm lässt nach. Nochmal ein paar Stunden Schlaf.

Wir haben uns das Langschlaferfrühstuck verdient.

Am Morgen sind weitere Gewitter angekündigt. Noch vor dem Frühstück setzen wir vom Ankerplatz rüber in den Hafen um einen der begehrten Anlegeplätze zur ergattern. Reto setzt den Anker weit draussen und gräbt ihn tief ein. Die Crew geht von Board um Poros zu erkunden. Doch wir sehen dunkle Wolken am Horizont. Wind kommt wieder auf. In Minutenschnelle wird es schwarz.

Blitze bringen kurze Aufhellungen und schlagen ins Meer. Bedrohliches Donnerrollen übertönt die unter Motoren herumirrender Yachten, die nicht rechtzeitig einen Ankerplatz gefunden haben. Das Chaos ist komplett, als es anfängt heftig zu regnen.

Rain in Poros

Die Masten der im Hafen parkierten Schiffe schwanken und mit den Pfändern halten wir die anderen Boote auf sicherem Abstand. Wasser läuft in Bächen über das Deck und an Land können die Autos vor zu viel Wasser nicht mehr weiterfahren. Nach heftigen 30 Minuten ist der Spuk vorbei.

Wir verbringen den Abend in Poros, am Hafen, schauen noch bei Clock Tower vorbei, wo es heute aufgrund der dichten Wolken keinen Sonnenuntergang gibt. Bei einer Portion ‘Fishermans Pasta’ in der Taverne erholen wir uns vom langen Tag und schlafen im Hafen sofort tief und fest.

Fisherman's Pasta

Erimoni

Heute segeln wir bei konstanten 15-20 Knoten nach Erimoni. Hydra ist aufgrund der heftigen Nord-Winde noch nicht möglich. In der breiten Bucht können wir uns aber vor den nächtlichen Winden gut verstecken und geniessen eine Runde Fajitas an Bord.

Kurs auf Hydra!

Wäre ein Segeltorn im sardonischen Golf ohne Hydra komplett? Natürlich nicht. Deshalb Ankern wir ein weiteres Mal in Mandraki. Chillen, Musik hören, lunchen und sonnenbaden stehen auf unserem Programm. Späte geht es mit dem Wassertaxi nach Hydra. Wie immer ist es ein Highlight! Bei Sonnenuntergang und einem feinen Abendessen im “Techné” wird der Abend beschlossen.

Crew Nr. 3 at Techné

Trotz Landsicherungsleinen ist die Nacht unruhig. Als wir heute morgen losfahren, bläst der Wind uns unbarmherzig mit 20 Knoten auf die Nase. Wie haben heute circa 30sm vor uns, deshalb müssen wir bis zum Bade- und Lunchstopp motoren, da wir nicht endlos aufkreuzen wollen.

Am Mittag muss Flamingo Bernadette für eine Reihe von “Club Tropicana”-Style herhalten.

Nicole and Bernadette         Skipper and Bartender

Ein Segeltag nach Angistri

Heute sind wir fast den ganzen Tag auf See. Wir haben circa 6-7 Stunden bis nach Angistri vor uns. Wir wählen dieses Ziel, da die Winde für alle anderen auf dem Weg liegenden Ankerplätze ungünstig stehen.

Bei mir macht sich nach fast drei Wochen auf der Yacht der erste “Bootskoller” bemerkbar. Der Platz ist beschränkt und drei Wochen sind nicht gerade eine kurze Zeit. Doch dank Dani vergeht die Zeit wie im Flug: Nicht nur, weil sie eine absolute “Flachwitz-Spezialistin” ist – auch sonst verstehen wir uns (wie alle in der Gruppe!) einfach super!

In Angistri angekommen Ankern wir in kristallklarem Wasser vor einigen Felsen. Zwei Landsicherungen sind schnell gelegt.

Sunset Angistri

Leider ist es schon wieder Freitag…

…und wir segeln von Angistri mit unbeständigen Winden via Salamis zurück nach Athen. Ein letzter Stopp wird in unserer lieb gewonnenen “Karibik-Bucht” eingelegt. Es ist so schön, dass Nicholes Handy auch grad ins Wasser hüpft… Oje, oje….

Was für eine Woche!

Es war der Hammer mit Nichole, Dani, Britta und Jules! Wir haben viel gelacht, genossen, waren eine Crew… Besser hätte es nicht sein können. Mit einem weinenden Auge verabschieden wir die vier. Sie waren ein Beispiel an Hilfsbereitschaft und Teamspirit… Ihr Lieben: Wir hoffen sehr, dass wird euch bald wieder sehen!

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9 Comment

  1. Das klingt nach einem unvergesslichen Abenteuer! Wenn ich jetzt nur selbst am Meer wäre 🙂 Das Sommerwetter schreit nach Abkühlung!
    Und manchmal schadet ein Sturm nicht, wenn das Boot sicher am Land ist!

    Liebe Grüße,
    Alex.

  2. Die Fisherman Pasta sieht so verlockend aus. Die wäre genau das Richtige für mich. Ob sie mir aber nach so einer von Dir beschriebenen Seefahrt gut tun würde, wäre eine andere Frage.
    Ich bewundere Dich, dass Du erst nach 3 Wochen einen Bootskoller bekommst, das wäre bei mir schon viel früher gewesen. Alles in allem klingt es nach Abenteuer. Liebe Grüße

    1. Danke für Deinen Kommentar! Uns freut, dass Dir der Artikel gefallen hat!

  3. Uiuiui ich wäre sicherlich auch Seekrank geworden bei dem Wellengang. Ein wirklich toller Blog und cooler Beitrag! Seeehr spannend 😊
    Liebe Grüße Nadine von tantedine.de

  4. Nicole says: Antworten

    Schöne Einblick und danke für deine Eindrücke. Die Bilder, besonderes oben… Wow. Toller Schnappschuss. Man hat irgendwie lust auf Urlaub, auf das Reisen.

    Alles liebe

  5. Abenteuer pur! Dein Stil ist toll, ich war vom ersten bis zum letzten Satz gefesselt.
    Liebe Grüße, Nicoletta-Maria

  6. Das klingt unheimlich spannend, wie ihr den Sturm ausharren müsstet! Die Zeit an den tollsten Orten ist immer am schnellsten vorbei, nicht wahr?

    Beste Grüße

  7. Wow! Das klingt ja nach einem mega Abenteuer! Ich bin selbst seekrank und weiß dass jede Minute davon die Hölle ist … man will nur noch sterben … mir hat schon die Fahrt turbulente Bootsfahrt bis zum Tauchstartpunkt gereicht um fix und fertig zu sein. Aber wenn man dann nicht weg kann und der Sturm nicht auffhört – das ist sicherlich für das gesamte Team eine schwierige Situation.

    Aber auf Sturm folgt sicher bald Sonnenschein und ruhige See :-)! Genießt die Zeit!

    Sonnige Grüße
    Verena

  8. En sehr interessanter Bericht, da bekommt man ja Fernweh! Ich träume auch von einer Reise wie diese hier. :’)

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